Who cares? Mütterliche Fürsorge in der Vormoderne

Ernährung des Babys, Von der Versehung des Leibes. Augsburg 1491, Wolfenbüttel, Herzog August Bibliothek, 167.9 Poet., fol. O5v

Mit Heinrich Laufenbergs Traktat Wie sich die schwangeren frawen regieren soͤllent vnd die kindlin wendet sich um die Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals ein Ratgeber in deutscher Sprache unmittelbar an werdende Mütter. In rund 700 Versen gibt der Freiburger Kanoniker Empfehlungen für schwangere Frauen und Kinderpflege und eröffnet damit in Themenfeld von anhaltender Aktualität. Sein illustrierter Ratgeber, der im 16. Jahrhundert über ein Dutzenmal (ohne Nennung des Autors) gedruckt wurde, stellt den Ausgangspunkt für ein umfangreicheres Forschungsprojekt dar. Der Fokus richtet sich  insbesondere auf die normative Vorstellungen in Bezug auf Mutterliebe und die Frage, wie mütterliche Fürsorge und emotionale Zuwendung in Texten und Bildern der Vormoderne konzipiert und transportiert werden.

 

Als erster Beitrag zum Forschungsfeld erscheint:

Auch Mutterliebe will gelernt sein. Heinrich Laufenbergs illustrierter Ratgeber für werdende Mütter. In: Gewusst wie! Praktische Wissensvermittlung im Mittelalter, hg. von Stefan Laube und Gia Toussaint (Das Mittelalter. Perspektiven mediävistischer Forschung 2026/2).

 

Bereits erschienenen ist der Blogpost:

An Unrecognised Bestseller – Heinrich Laufenberg’s Guide for Expectant Mothers in Two Further Editions from the 16th Century. In: How-to. Tracts for Action (31.03.2026) https://howtobook.hypotheses.org/6149.

Rittersporn – auf den Spuren einer blauen Blume

Ackerrittersporn am Rheinbord, Basel Juni 2026, Photo Autorin

Seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert hat der Rittersporn eine erstaunliche Karriere hingelegt. Neben dem Gewöhnlichen Feldrittersporn (Consolida regalis L.) wird blaublühtige Blume für das private Gartenparadies in unzähligen Varietäten von Delphinium gezüchtet, die sämtliche Nuancen der Himmelsfarbe widergeben sollen. Ihre mystische Aufladung lässt sich bis in die Anfänge der Botanik zurückverfolgen, wenn bereits Otto Brunfels im Kreüterbuch von 1532 ihren Anblick als Wohltat für die Augen preist. Die geplante Monographie wird der Faszination für die Staude, ihrer künstlerischen Überformung in Texten und Bildern sowie ihrer nationalistischen Vereinnahmung im 20. Jahrhundert nachgehen.

 

Der Dekalog im Bild

Moses, Zehn Gebote Tafel des Pfarrer Johannes Lupi, Frankfurt, Historisches Museum, Inv.-Nr. X 17129b

Die Zehn Gebote Tafel des Frankfurter Pfarrers Johannes Lupi aus der ehemaligen Peterskirche dient als Ausgangspunkt für einen Überblick über die katechetischen Darstellungen zum Dekalog, die im Spätmittelalter im liturgischen Raum wie auch im Schrifttum zur privaten Andacht große Verbreitung finden.

 

Beitrag zur Tagung Katechismen im Spätmittelalter. Inhalte – Formen – Funktionen München, April 2025, organisiert von: Magdalena Butz, SFB 1369 "Vigilanzkulturen. Transformationen – Räume – Techniken" Ludwig-Maximilians-Universität München.

Mehr als Schach – Brettspiele im Mittealter

Paare beim Schach- und Mühlespiel, Oxford, Bodleien Library ms. 264, fol. 112r

Der Beitrag beleuchtet von kunsthistorischer Seite Brett- und Kartenspiele im Mittelalter. Bildliche Darstellungen sind in unterschiedlichen Kontexten zu finden, sowohl als Illustrationen zu erzählerischen und erzieherischen Texten wie auch als Dekoration auf luxuriösen Alltagsgegenständen, insbesondere Elfenbeinkästchen. Das Schachspiel ist dabei generell viel häufiger zu sehen als Tricktrack oder Mühle. Ein Paar beim Schachspiel (oder beim Kartenspiel) gehört zu den Standardszenen im spätmittelalterlichen "Garten der Liebe", während Kartenspieler - und vor allem Würfelspieler als Warnung vor einem unmoralischen Lebenswandel in didaktischen oder moralischen Kontexten auftreten. Trotz des überwiegend topischen Charakters kann zuweilen ein präziser Spielstand als Kommentar zur Erzählsituation gelesen werden. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts sind Karten- und Brettspiele als vergnüglicher Zeitvertreib in genreartigen Szenen zu sehen.

Der Aufsatz erscheint in dem Sammelband ›Brettspiele im Mittelalter – Das Mittelalter im Brettspiel. Poetik, Rezeption, Praxis‹ hg. von Inci Bozkaya, Robert Schöller und Cyril Senn, als Band zur gleichnamigen Tagung Fribourg, November 2024 (transcript Verlag, 2026).

 

Antidotarius Magnus in Basel

Cosmas und Damian, Antidotarium Magnus, Basel, UB, D III 14, fol. 84r

Remedies, Healing and Salvation

The Antidotarium Magnum in Basel and its pictorial narratives

 

Paper presented at the conference: Visualizing drugs and dyes. Art and Pharmacology in (Early) Medieval Worlds, Basel, September 2023, Organizers: Theresa Holler (University of Basel), Hannah Baader (KHI Florenz), Andrew Griebeler (Princeton University). 

Die Berner Chronik und ihre Herren

Wilhelm von Diesbach, aus: Berner Chronik, Bern, BB, Mss.h.h.I.3, S. 931

Golden Boys –

Zur Selbstdarstellung der Führungsschicht in der Berner Chronik

 

In der Berner Chronik wird die Geschichte der Stadt und ihrer erfolgreichen Machtexpansion im 15. Jahrhundert in umfangreichen Bildfolgen erzählt. Die Darstellungsweise verändert sich im dritten Band zu den Burgunderkriegen signifikant gegenüber den Anfängen.

 

Wigoleis vom Rade

Wigoleis vom Rade, Johann Schönsperger, Augsburg 1493, Cologny, Fondation Martin Bodmer, Inc. Bodmer 253, fol. A2ra

Konfektionierung für ein neues Publikum –

Die Holzschnitte zum Wigoleis in Johann Schönspergers Augsburger Druck von 1493

 

Beitrag zur Tagung: Wigalois in Text und Bild. Der Leidener Codex und seine Kontexte, Oktober 2023, Schloss Herzberg / Harz, organisiert von: Manuel Hoder (Würzburg), Sandra Hofert (Erlangen), Gesine Mierke (Bamberg) und Christoph Schanze (Bamberg). 

Boccaccios "Berühmte Frauen"

Sappho, aus: Des cleres et nobles femmes, Paris, BnF, ms. fr. 12420, fol. 71vb

Das Geschlecht des Ruhms –

Dichterinnen in Boccaccios De mulieribus claris in Text und Illustration

 

Beitrag zur Tagung: Ruhm – Transformationen eines antiken Ideals in der Literatur und Kultur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, München, April 2024, organisiert von Rahel Micklich (Würzburg) und Alexandra Urban (München).